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Kreisel wird zum Jahresbeginn farbenfroh
2026: Kunstinitiative Radevormwald
Rheinische Post, 15.1.2026 Von Joachim Rüttgen

Radevormwald · „Choreografie“ lautet das Thema der nächsten Fahnen am Kreisel.

Auch 2026 kommt der Kunst im öffentlichen Raum in Radevormwald eine besondere Bedeutung zu. Dafür sorgt Bernd Freudenberg von der Kunstinitiative. Der Dresdner Grafikdesigner, Maler, Fotograf und Drucker Jochen Stankowski präsentiert zum Auftakt seine Fahnen zum Thema „Choreografie“.

Acht Fahnen im Format 400 mal 150 Zentimeter sorgen seit neun Jahren regelmäßig für echte Hingucker in der Innenstadt. Auf dem Kreisverkehr auf Höhe der Sparkasse erblicken aufmerksame Betrachter seit 2017 zweimal im Jahr ganz neue künstlerische Ansätze. Dafür sorgt Bernd Freudenberg von der Kunstinitiative Radevormwald. Er will durch die Kunstaktion das Erscheinungsbild der Stadt temporär verändern und der Innenstadt eine zusätzliche Qualität verleihen.

Kunst im öffentlichen Raum kommt seitdem in der Bergstadt eine ganz besondere Bedeutung zu. Die gewohnte Umgebung wird so bewusster wahrgenommen. Und in der Tat, wer sich selbst einmal beobachtet, wird feststellen, dass man ganz anders den Kreisel durchfährt oder ihn überquert. Der Blick geht nach oben, die Kunst geht ins Auge, weckt Assoziationen, wirkt sofort nach.

Fachbücher. Immer wieder findet Bernd Freudenberg von der Kunstinitiative Berichte und Fotos über die Kunst im öffentlichen Raum in Radevormwald in Katalogen und Fachbüchern. Da taucht dann plötzlich der Parc de Châteaubriant neben der Park-Avenue in New York auf.

Stadtjubiläum. Los ging es mit der Fahnenkunst in der Bergstadt mit der Open-Air-Ausstellung „Flagge zeigen“ zum 700-jährigen Stadtjubiläum 2014. Damals wurden 50 Fahnen im Stadtraum gezeigt, die von 23 nationalen und internationalen Künstlern geschaffen worden waren.

Projekt. Das Nachfolgeprojekt „Acht Fahnen“ ging 2017 an den Start – nach Angaben von Bernd Freudenberg mit dem Ziel, in das Umfeld der Bürger einzutreten, die Kommunikation über zeitgenössische Kunst anzuregen und die Möglichkeit zu bieten, das Interesse am individuellen künstlerischen Ausdruck zu wecken und das Nichtalltägliche im Alltag zu entdecken.

Auf jeden Fall sorgt der Dresdner Grafikdesigner, Maler, Fotograf und Drucker Jochen Stankowski für die 16. Ausstellung der erfolgreichen und mittlerweile sehr beliebten Reihe in Radevormwald. Im Mittelpunkt steht erneut ungegenständliche zeitgenössische Kunst. Nach den monochromen Arbeiten des Australiers David Thomas gibt es nun Beispiele der Konkreten Kunst.

Jochen Stankowski wurde 1940 im Sauerland geboren und lebt nach Stationen in Stuttgart, London und Köln seit vielen Jahren in Dresden. Er arbeitete zusammen mit seinem Onkel Anton Stankowski, einem der renommiertesten Künstler der konkreten Formensprache, in dessen Atelier und bezeichnet sich selbst gerne als „Zeichensteller.“ Für den gelernten Grafikdesigner, der ebenfalls der Konkreten Kunst zuzuordnen ist, besteht eine Einheit zwischen freier und angewandter Kunst. Aus elementaren Grundformen entwickelt der Künstler seine Bilder, die keine Abbilder sind, berichtet Freudenberg in seiner Ankündigung für die neue Fahnenausstellung.

In der Ausstellung „Mein Name ist Mensch“ aus Anlass des 75. Jahrestags der Erklärung der Menschenrechte, die bisher bereits in zahlreichen Städten zu sehen war, entwarf Stankowski 30 visuelle Interpretationen zu den einzelnen Menschenrechtsartikeln.

In seiner Fahneninstallation „Choreografie“ erkennt der aufmerksame, aber auch der flüchtige Betrachter nach Angaben von Freudenberg nachvollziehbare farbliche Variationen des Grundelements Quadrat. „Diese elementare quadratische Grundform, die als Ausgangspunkt der Choreografie auf einer Fahne zu sehen ist, wurde in sechs gleich große rechtwinklige Farbdreiecke zerlegt“, erläutert Freudenberg. In sieben unterschiedlichen Fahnen-Variationen entstehe so ein Spiel von Farben und Formen. Diese Zeichen-Findungen stünden in der Anordnung aller Teile in einem ausgewogenen Gleichgewicht – „und bilden einen Kontrast zur kreisförmigen Anordnung der Fahnenmasten“, erklärt er. Durch die systematische Anordnung der Farbdreiecke entstehe ein rhythmisierter Bewegungsablauf, der den öffentlichen Raum aufwerte und dynamisiere.

Für Bernd Freudenberg ist die neue Ausstellung so etwas wie ein „Tanz der Farben“. Kontakt zu Jochen Stankowski bekam Freudenberg über den Bruder Dr. Martin Stankowski, einen promovierten Kunsthistoriker aus Köln, der auch als Journalist tätig ist. „Er zeichnet verantwortlich für die Regionale 2025 und hat den Katalog gesehen, in dem der Oberbergische Kreis öffentliche Kunst vorstellet“, sagt Freudenberg. Er bescheinigte der darin vorgestellten Kunst eine „hohe Qualität“ und ließ sich von Freudenberg quer durch die Stadt fahren – auf der Suche nach der Kunst in der Öffentlichkeit. Er sah den pinken Kunstspiegel von Raymund Kaiser im Uelfebad, die ehemalige Kirche St. Gangolf in Bergerhof – und eben auch die Fahnen auf dem Kreisel.

„Also empfahl er uns an seinen Bruder weiter, der eine große Begeisterung für die Idee entwickelte, seine Fahnen am Kreisel zu zeigen“, berichtet Freudenberg. Ihm mache das immer sehr großen Spaß, sich mit Künstlern auszutauschen, sie kennenzulernen und mit ihnen gemeinsam etwas zu entwickeln. 

Für die nächste Ausstellung hat Freudenberg auch bereits einen Künstler gefunden: Peter Zimmermann aus Köln wird ab Sommer seine Fahnen zeigen – dabei handelt es sich um ganzfarbige Arbeiten, amorphe Formen ohne Gestalt und ohne regelmäßige Anordnung – als Kontrast zu den eckigen und kantigen Formen von Stankowski zuvor.